Norco Sight VLT TQ C1 im TestLeichtes High-Pivot E-MTB im Kurzcheck

Adrian Kaether

 · 05.04.2026

Das Norco Sight VLT TQ C1 ist das Topmodell von Norcos neuem Light E-Bike mit High-Pivot-Hinterbau: 19,9 Kilo // TQ HPR 60 // 580 Wh // 9990 Euro.
Foto: Adrian Kaether

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Das Norco Sight VLT mit TQ HPR 60 Motor, großer 580er Batterie und leichtem Vollcarbon-Rahmen nimmt E-Mountainbike-Fans ins Visier, die sich etwas Schub bergauf aber ungehemmten Fahrspaß bergab wünschen. Der High-Pivot-Hinterbau bringt eine Prise Exotik. Wir konnten das Bike schon fahren.

Fazit zum Test des Norco Sight VLT TQ C1

Mit dem Sight VLT TQ vereint Norco ein exotisches High-Pivot Konzept mit jeder Menge Fahrspaß, hohen Nehmerqualitäten und auch noch einem breiten Einsatzbereich. Nachteile gibt's bis auf den hohen Preis kaum. Trail-Tipp für Fans sportlich-raciger Bikes und ausgefuchster Federungssysteme.

Daten und Fakten zum Norco Sight VLT TQ C1

Preis9.990,00 €>> hier erhältlich
Federweg160 mm
LaufradgrößeSonstige
Gewicht19.93 kg
MotorTQ HPR60
AkkuTQ 580Wh
GabelFox 36 Float Factory
DämpferFox Float Grip X2 Factory
SchaltungShimano XT Di2
Bremse vorneShimano XT BR-M 8220

Messwerte

Sitzposition
sportlich
33
komfortabel
0
33
66
100

Alle Messwerte findest du hier

Dass Light E-MTBs gerade in den Shops stehen wie sauer Bier und der Krieg um das Thema Motorleistung gerade völlig eskaliert? Das interessiert Norco herzlich wenig. Die Kultmarke aus British Columbia bringt mit dem Sight VLT TQ (hier alle Modelle im Überblick) ein technoides und teures High-Pivot E-MTB mit kleinem und leichtem TQ Motor und will damit eben gerade nicht die breite Masse sondern Handling- und Trailfans ansprechen. Ob der Plan aufgeht?

580 Wh - Leichter Motor aber Reichweite satt

Im Sight VLT TQ steckt der neue HPR 60 Motor von TQ (hier im Test). Die Firma vom Ammersee ist auf besonders leise und leichte Antriebe spezialisiert, der HPR 60 das Nonplusultra für Fans einer möglichst natürlichen Motorunterstützung. So dezent und leise ist kein anderer Antrieb! Dabei schiebt der TQ durchaus herzhaft an. Die angegebenen 350 Watt und 60 Nm kommen auch raus und hitzebedingtes Derating wie beim Vorgänger ist mit dem HPR 60 kein Problem mehr.

Norco kombiniert den Motor nicht mit der kleinen 360-Wattstunden-Batterie sondern mit dem größeren 580er Akku. Damit sind problemlos auch lange Touren bis circa 1500 Höhenmeter je nach Fahrergewicht und Unterstützung möglich. Für noch mehr kann man einen leider recht teuren Range-Extender mit 160 Wattstunden (599 Euro) in den Flaschenhalter stecken. Das Oberrohrdisplay ist sportlich gehalten. Die Bedienung des TQ Systems aber grundsätzlich sehr gelungen.

Lang & Flach mit edler Ausstattung

Wenig überraschend: Norco hat das Sight VLT modern, das heißt lang und flach gezeichnet. Das liegt sicher auch an den fiesen Hometrails der Kanadier. Unser Testbike in S5 (XL) hat einen Reach von fast 517 Millimetern und einen langen Radstand von 1327 Millimetern. Schön zu sehen: Norco ermutigt die Fahrer das Rad nach der gewünschten Länge auszuwählen und setzt dafür auf einigermaßen kurze Sitzrohre und Tele-Stützen mit anpassbarem Hub. Die Länge der Kettenstreben wächst mit der Rahmengröße um ein ausgewogenes Handling zu schaffen. Der Autor ist nur 1,82m groß, fährt aber gern auch lange Räder und kam sogar auf dem großen S5 durchaus gut zurecht.

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Die Ausstattung ist edel, aber der Preis auch hoch. Immerhin: Für 9990 Euro (z. B. hier erhältlich) bekommt man ein Vollcarbon E-Bike mit Carbon-Laufrädern von Crankbrothers, edlem Fox-Factory-Fahrwerk und der neuen XT Di2 Schaltung sowie den passenden XT Vierkolben-Bremsen. Für eine Boutique-Marke wie Norco ist das nicht schlecht, aber natürlich kein Preis-Leistungs-Hit à la Cube und Co. Andere Marke, andere Zielgruppe.

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Im Vergleich Trek Slash+ und Propain Sresh SL

Interesse geweckt? Spannende Light E-MTBs, die uns auf dem Trail begeistern konnten gibt es mittlerweile zum Glück ein paar am Markt. Technisch am nächsten am Norco liegt das Trek Slash+ (hier im Test). Es hat zwar mit 170/170 Millimetern mehr Federweg, aber auch einen Vollcarbon-Rahmen und einen High-Pivot Hinterbau sowie 580 Wattstunden. Das Handling ist ebenfalls auf Fahrspaß ausgelegt. Der längere Federweg ist aber spürbar - positiv wie negativ. Der TQ HPR 50 Motor ist der Vorgänger vom HPR 60 und technisch etwas veraltet.

Ebenfalls ähnlich ist das neue Sresh SL von Propain, mit HPR 60 und wahlweise ebenfalls 580 Wattstunden, hier sogar relativ leicht entnehmbar. Mit 160/150 Millimetern Federweg zielt es ebenfalls in die Lücke zwischen All Mountain und Enduro und konnte in unserem letzten Light E-MTB Vergleichstest auch den Testsieg abstauben. Das Fahrgefühl ist eher noch etwas direkter und definierter als beim Norco.

Schiff? Von wegen: So fährt sich das Sight VLT TQ

Als ich in unserem Testlabor das erste Mal vor dem Norco stehe, überkommen mich doch die Zweifel. Puh, ganz schön lang und groß das Bike. Dazu der brachiale High-Pivot-Hinterbau. Ob ich da nicht über das Ziel hinaus geschossen bin? Doch an der Waage gibt’s schon die erste Überraschung. Unter 20 Kilo ohne Pedale und mit den verbauten Enduro-Reifen sind ein guter Wert, erst recht für die aufwändige Rahmenkonstruktion.

Und auch beim Aufsitzen und auf dem Trail fühlt sich das Bike erstaunlich wenig sperrig an. Der Sitzwinkel ist steil, der Hinterbau wippt kaum, könnte bergauf aber noch etwas sensibler sein. Trotzdem klettert das Rad richtig gut. Bergab steht man gut integriert und wird immer in einer schön aktiven Position gehalten. Der Hinterbau arbeitet feinfühlig, ist aber kein langweiliger Staubsauger. So fährt sich das Norco überraschend poppig und leichtfüßig und lässt sich gut in die Luft ziehen. Wie ein All Mountain eben und nicht wie das Enduro-Schiff, das man vielleicht erstmal vermuten würde. Nur ein explizit verspielter Kandidat für Manual-Fans ist das Norco nicht.

Vorteil High-Pivot: Auf ins Gerumpel

Wird der Trail zorniger, animiert das Sight zum Draufhalten. Bei groben Unebenheiten kommt der erhöhte Drehpunkt des Hinterbaus zum Tragen. Er ermöglicht, dass das Hinterrad Hindernissen nach hinten/oben ausweichen kann, statt nach vorne/oben wie bei konventionellen Konstruktionen. Auch fiese Einschläge bügelt das Norco so souverän glatt und liegt dabei besonders satt und traktionsstark auf dem Trail. Der Charakter bleibt trotzdem aktiv und poppig. Viele federwegsstarke High-Pivot-Bikes sind zwar schnell geradeaus, aber im Fahrgefühl eher leblos. Das Norco blieb dagegen außerdem schön leise bergab, nur leichtes Klappern der Züge vor dem Lenker war zu hören. Die Umlenkung für die Kette macht beim Treten leichte Geräusche, aber alles blieb völlig im Rahmen.

Kleinigkeiten, die wir dennoch kritisieren würden: Der Hinterbau geht recht freigebig mit dem Hub um und profitiert von der einstellbaren Druckstufe am Dämpfer. Die XT Di2 Hyperglide Schaltung ist auch mit der moderaten Power des TQ Motors fast schon überfordert. Srams Transmission Schaltungen sind am E-Bike unkomplizierter. Und die Reifenwahl könnte man gerade für europäischen Matsch noch mit dem ganz weichen Gummi vorne und offenerem Profil hinten optimieren. Gestört hat das in der Praxis aber kaum.

Mir persönlich hat das Norco Sight VLT absolut getaugt. Motorpower und Akku sind für normale Touren masse ausreichend. Federweg und Einsatzbereich treffen eine goldene Mitte: Spaßig-schnell auf dem Hometrail und auch wer im Urlaub in Finale oder im Vinschgau mal Gas geben will, kommt hier voll auf seine Kosten. Der konzeptbedingt hohe Preis wird damit zum fast einzigen Problem am Bike. - Adrian Kaether, BIKE-Testredakteur

Stärken:

  • Fahrspaß und Vielseitigkeit
  • Leicht für ein High-Pivot E-MTB
  • Starkes Fahrwerk

Schwächen:

  • Hoher Preis

Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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