Die Bremsscheibe ist eines der sicherheitsrelevantesten Bauteile am Bike. Das leuchtet den meisten ein. Und doch fahren viele einfach das Material, was ab Werk verbaut ist – ohne je zu hinterfragen, ob das wirklich zu ihrem Körpergewicht, ihrem Fahrstil und ihren Strecken passt.
Denn selbst die beste Bremse nützt nichts, wenn die Bremsscheibe unterdimensioniert ist und wegen Hitze versagt oder - umgekehrt - die Dosierbarkeit leidet, weil die Scheiben für das Systemgewicht oder den Einsatzbereich zu groß sind.
Wichtig: Vor jedem Bremsscheiben-Upgrade die maximale bzw. minimale Scheibengröße von Gabel und Rahmen prüfen.
Wer 85 Kilo wiegt und regelmäßig lange Schotter-Abfahrten hinunterbremst, der fährt eine 180er-Scheibe schnell schwarz. Ich habe das oft genug gesehen: vorne silber, hinten dunkelgrau wie ein Stück Kohle. In so einem Fall wurde aber nicht falsch gebremst, sondern die Scheibe ist für den Einsatzbereich unterdimensioniert. – Max Fuchs, BIKE-Redakteur
Größere Bremsscheiben funktionieren nach einem einfachen Hebelgesetz: Je größer der Radius der Scheibe, desto größer der Hebelarm, mit dem die Bremskraft wirkt. Wer von 160 mm auf 203 mm wechselt, verlängert diesen Hebelarm um rund 27 % – die gleiche Handkraft erzeugt so deutlich mehr Bremskraft, weil man wortwörtlich am längeren Hebel sitzt.
Der zweite Punkt ist das Thermomanagement. Eine größere Scheibe bietet mehr Reibfläche, verteilt die entstehende Wärme auf mehr Material und kühlt durch den größeren Umfang schneller wieder ab. Wer Fading einmal erlebt hat – das Nachlassen der Bremskraft bei langen Abfahrten –, weiß, warum das relevant ist.
Die kleinste gängige MTB-Scheibengröße ist das Reich der Gewichtsfanatiker. 140 mm funktionieren auf flachem Terrain mit leichtem Fahrer, aber auf langen Abfahrten stoßen sie schnell an thermische Grenzen. Für Enduro, Trail oder gar E-MTB sind sie keine Option, zumal die meisten modernen Mountainbikes gar nicht über die entsprechende Bremsaufnahme verfügen, um eine derart kleine Scheibe zu montieren.
Viele Hersteller spezifizieren an Einsteiger-Hardtails oder leichten Race-Bikes zumindest am Heck 160er-Scheiben – solange die Abfahrten nicht zu lang sind und das Körpergewicht im moderaten Bereich bleibt, funktioniert das auch auf welligen Trails, wie man sie von der Cross-Country-Rennstrecke kennt.
Für alle, die ihr Hardtail oder Race-Fully als Touren-Bike sowie mal mit Rucksack nutzen und viele Höhenmeter sammeln, ist Vorsicht geboten. Besonders auf langen Schotterabfahrten, wenn man dazu neigt, die Hinterradbremse schleifen zu lassen, sind 160 mm zu knapp bemessen. Für diesen Einsatzbereich unbedingt aufrüsten!
Vorn wie hinten 180 mm ist bei den meisten Trail-Bikes mittlerweile Standard. Sie bieten den besten Kompromiss aus Bremskraft, Hitzebeständigkeit und das ohne übermäßig viel Gewicht. Da die Bremsanlagen im Gravity-Bereich mittlerweile so bissig sind, fährt heutzutage so mancher Endurist sogar 180er-Scheiben, um die brachiale Bremskraft zugunsten der Dosierbarkeit zu entschärfen.
Wer regelmäßig mehrere hundert Höhenmeter am Stück abfährt, mehr als 85 kg wiegt oder E-MTB fährt, sollte über 203 mm nachdenken. Diese Scheiben erzeugen maximale Bremskraft, um auch hohe Systemgewichte ohne übermäßig viel Handkraft zuverlässig zu verzögern – die entsprechende Bremsanlage natürlich vorausgesetzt. Und noch wichtiger: Die großen Rotoren verzeihen länger, bevor es zum Fading kommt.

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